Impuls | 01 - Orientierung geben als Führungskraft
Shownotes
Zum Auftakt der neuen Podcast-Reihe sprechen Carsten Alex und Audiograf Ingo Stoll über Führung in einer Zeit wachsender Komplexität. Warum fällt Orientierung heute so schwer? Weshalb geraten viele Führungskräfte dauerhaft an ihre Grenzen? Und warum reicht Wissen allein oft nicht mehr aus?
Im Mittelpunkt stehen Themen wie Selbstführung, Haltung, „Inner Management“ und die Frage, wie wirksam Führung unter permanentem Druck überhaupt noch gelingen kann.
Ein Gespräch über Klarheit, Verantwortung und den Mut, sich bewusst abzugrenzen – ohne die Verbindung zu Menschen zu verlieren.
Transkript anzeigen
00:00:10: Carsten Alex: Blick zurück nach vorn.
00:00:13: Gedankenimpulse im Gespräch mit Audiograf Ingo Stoll.
00:00:19: So, wir starten die erste neue Episode nach der Trilogie, nach Teil 1, 2, 3, die
00:00:26: aus der Audiografie entstanden sind, wollen wir natürlich
00:00:29: die Themen fortsetzen.
00:00:31: Und ich freue mich auf Carsten Alex, mit dem ich gleich über Führung reden darf.
00:00:36: Ein absolutes Klassikerthema.
00:00:38: Erstmal schönen guten Morgen, Carsten.
00:00:40: Ja, hallo, guten Morgen, Ingo.
00:00:42: Hallo in die Runde. Ja, guten Morgen.
00:00:45: Gibt es da wirklich Dinge, die sich noch verändert haben über die Zeit?
00:00:51: Vor allen Dingen, wenn du mal dieser Tage in die Praxis guckst, in deine
00:00:57: Arbeit mit Führungskräften.
00:00:59: Gibt es wirklich neue Themen oder ist es im Wesentlichen immer doch
00:01:05: das Gleiche in bisschen angepasster Form.
00:01:07: Wie würdest du das beschreiben?
00:01:09: Ja, ist ein guter Punkt.
00:01:12: Letzte Woche hatte ich mich mit einem Freund getroffen in Hamburg
00:01:15: und wir haben vor 25 Jahren damals beim Mercedes begonnen, die Trainee-Laufbahn,
00:01:23: und da unter anderem auch rekapituliert, wie sich Führung verändert hat.
00:01:27: Und das ist das, was ich in meinem Alltag erlebe.
00:01:29: Und ich habe ja im Wesentlichen eben auch mit Führung und Führungskräften zu tun.
00:01:34: Also die schiere Menge an Informationen, die Komplexität, die Geschwindigkeit, die
00:01:40: unterschiedlichsten Kommunikationskanäle.
00:01:42: Das ist etwas, was es so in der Form früher nicht gab.
00:01:46: Und früher heißt jetzt nicht vor 25 Jahren, sondern auch vor 5, vor 7 Jahren.
00:01:52: Die Menschen sind, ich sag mal, die sind die gleichen geblieben, mehr oder weniger.
00:01:56: Natürlich auch alle mit deutlich mehr Gepäck.
00:01:58: Reisegepäck im Kopf durch die sozialen Medien abschalten
00:02:02: kann so gut wie keiner mehr.
00:02:04: Also das potenziert sich in einem rasenden Verhältnis und dem sind ja im
00:02:11: Wesentlichen die meisten Führungskräfte eben nicht mehr gewachsen.
00:02:13: Das ist vielleicht auch Ziel, die Idee des heutigen Austauschs.
00:02:17: Führung als solches, der Auftrag ist weiterhin identisch: wirtschaftlich
00:02:22: handeln, Menschen fordern, fördern, entwickeln.
00:02:25: Aber zum eigentlichen Auftrag kommen noch die allerwenigsten.
00:02:32: Wenn ich mal an meine Zeit so zurückdenke, dann würde ich sagen, es gab vielleicht
00:02:39: auch immer so einen inneren Anspruch von mir selber, an mich als Führungskraft
00:02:46: ja wirklich Orientierung geben zu können.
00:02:50: Wie nimmst du das heute wahr?
00:02:53: Das eine ist ja vielleicht der Auftrag, das andere ist der Selbstanspruch.
00:02:56: Also ist das noch ein Kennzeichen, was Führungskräfte a)
00:03:04: von sich selber erwarten und b) auch leisten können,
00:03:07: Orientierung zu geben heute?
00:03:11: Naja, zu Punkt 1: In jedem Fall.
00:03:14: Die meisten aller Führungskräfte haben auch weiterhin diesen Anspruch.
00:03:18: Der wird auch tagtäglich versucht zu erreichen.
00:03:21: Und dann kommen wir zum Punkt 2: Nur in den seltensten Fällen werden sie
00:03:25: halt aber auch ihren eigenen Ansprüchen gerecht.
00:03:28: Das führt dann wiederum zum inneren Konflikt, der dann eben die ganze Sache
00:03:32: nicht leichter macht im Tun, im Handeln.
00:03:35: Also Orientierung geben fällt den meisten schwerer, weil sie zum Teil— ich will das
00:03:41: nicht verallgemeinern— weil sie zum Teil die eigene Orientierung verloren haben.
00:03:46: Das vielleicht auch schon ein bisschen länger.
00:03:48: Also ich weiß gar nicht, wo wir jetzt hier anfangen wollen oder aufhören, aber
00:03:51: die Ansteuerung kennt ja keine Grenzen.
00:03:53: Also jeder einzelne Vertriebskanal oder die Hierarchiestufe steuert an.
00:03:59: Das geht mittlerweile auch alles direkt und an anderen Berichtsebenen vorbei.
00:04:05: Also Orientierung geben ist, das ist die große Herausforderung, eine Haltung haben
00:04:10: heute im Hier und Jetzt.
00:04:12: Und was ich erlebe: Jeder will es nur jedem und allen gerecht machen.
00:04:16: Und am Ende führt es dazu, dass man es sich selbst am wenigsten gerecht macht.
00:04:24: Mit welchen Fragen kommen die Führungskräfte auf dich zu?
00:04:31: Auch da ganz frisch, aktuell, noch warm, die Suppe ist noch warm.
00:04:34: Ich war letzte Woche Freitag bei einem Coachee.
00:04:38: Und der erste Tag, Tag 1, und sein Wunsch war es nicht, noch weiter Wissen
00:04:46: anzusammeln oder weitere Qualifizierung zu erwerben,
00:04:50: Qualifikation, sondern er möchte mit mir daran arbeiten, dass er
00:04:55: mit einem guten Gefühl zu einem guten Zeitpunkt nach Hause fährt.
00:05:01: Also dass er irgendwo ein Stück weit an der Stelle auch keinen
00:05:04: inneren Frieden findet.
00:05:05: Das ist eher meine Vokabel.
00:05:08: Aber dass er mit einem guten Gefühl um 18 Uhr dann auch das Haus verlassen kann.
00:05:13: Wenn der Anspruch ist, ich will fertig werden, und den haben von 10
00:05:17: Führungskräften 8, dann scheitern sie tagtäglich.
00:05:22: Und der Versuch, es abends von zu Hause auf der Couch zu gewinnen, das Spiel
00:05:27: führt nicht zu besseren Ergebnissen.
00:05:30: Was sagst du denn, wenn jemand damit, du hast es ja gerade so schön beschrieben,
00:05:36: auf dich zukommt?
00:05:37: Ja, ich sage ihm in jedem Fall mal, dass er hier den richtigen Mann am Start hat.
00:05:41: Und ja, dass es eben gilt, einen Punkt zu finden.
00:05:46: Also an der Stelle eben für sich selbst Klarheit zu entwickeln.
00:05:50: Die Haltung auch, sich noch mal bewusst zu machen, dass wir alle nicht
00:05:55: mehr als arbeiten können.
00:05:56: Dass es am Ende auch Redaktionsschluss gibt und dass am
00:06:01: nächsten Tag das Leben weitergeht.
00:06:04: Und natürlich gibt es Situationen, Momente, wo einfach auch dann zu später
00:06:08: Stunde noch gearbeitet werden muss oder womöglich mal am Wochenende
00:06:11: oder was auch immer.
00:06:12: Aber das darf nicht zu einer Routine werden.
00:06:15: Und bei den meisten aller Führungskräfte, die genau diese
00:06:19: Herausforderung haben, ist es Routine.
00:06:22: Und die kommen aus der Routine alleine, eben nicht mehr heraus.
00:06:25: Dafür braucht es dann Impulse von außen.
00:06:28: Bei ihm, aber auch bei vielen anderen, gibt es so diese Textbausteine: Schaffe
00:06:33: ich nicht, geht nicht, klappt nicht.
00:06:36: Die haben diese Vokabeln ausgelagert aus ihrem Textstamm.
00:06:41: Und ich habe ihm signalisiert, er muss Grenzen setzen, er
00:06:44: muss sich abgrenzen, also auch vor sich und für sich selbst.
00:06:50: Also eher zu sagen: gerne auch noch dieses Projekt, gerne auch
00:06:53: noch diesen Auftrag, aber dafür muss etwas dann raus aus meinem Körbchen.
00:06:57: Und genau dieses Spiel, diesen Prozess haben bisher
00:07:01: noch die wenigsten verstanden.
00:07:04: Aber die, die heute erkennen, dass die Stärke gerade das Thema ist, sich
00:07:11: diese Schwäche zu erlauben, wenn ich mal bei dem Wortspiel bleibe,
00:07:14: das ist das große Plus, was so Mein Job ist, Menschen zu signalisieren,
00:07:20: es ist eher eine Stärke, sich abzugrenzen im Sinne von
00:07:24: auch Aufgaben nicht auszuführen.
00:07:26: Und du hast es eben auch so schön beschrieben.
00:07:28: Wer bekommt heute das Mehr an Aufgaben?
00:07:30: Das sind die, die die Aufgaben bisher sauber abgearbeitet haben,
00:07:34: die sie auch sauber erledigen.
00:07:36: Und je schneller und besser du sie abarbeitest, desto mehr kommt nach.
00:07:40: Das liegt im Prozess.
00:07:41: Da wird keiner sagen: Super Typ, der bekommt an der Stelle
00:07:45: eben weniger Aufgaben.
00:07:47: Und das gilt es eben bewusst, ja, ich sag mal, zu managen.
00:07:53: Dafür sind ja die Manager da, um Führung stattfinden zu lassen.
00:07:57: Und das heißt auch Selbstführung in der Management.
00:08:01: Also der Begriff kommt nicht von mir, den habe ich auch wie so vieles
00:08:06: über all die Jahre mal irgendwo aufgeschnappt, mitgenommen.
00:08:08: Ich sag dazu Copy with Pride und ist dann mit Leben zu füllen.
00:08:14: Viele Menschen wünschen sich eben Werkzeuge, Methoden, Techniken.
00:08:18: Klassisches Thema: Zeitmanagement.
00:08:21: Mein Ansatz ist der, es nützt das beste Zeitmanagement-Training nichts, wenn ich
00:08:27: nicht weiß, wie ich innen verchipt bin.
00:08:30: Und es gilt erstmal, die innere Architektur in Erfahrung zu bringen.
00:08:34: Und das ist meine Arbeit mit den Menschen im Wesentlichen.
00:08:37: Wir fangen beispielsweise immer auch mit so einer genannten Anamnese an.
00:08:42: So am Tag 1 geht es eher um das sogenannte Inner Management.
00:08:45: Wie ist der oder diejenige verdrahtet?
00:08:49: Und dann darauf aufbauend werden die entsprechenden Anregungen,
00:08:53: Impulse oder Methoden vermittelt.
00:08:55: Also das beste Outer Management führt im schlimmsten Falle zu gar nichts,
00:09:00: wenn das mit dem Inner Management nicht in Verbindung treten kann.
00:09:05: Wie ist denn das überhaupt so?
00:09:07: Sind das Dinge, die du mehr im Individuellen begleitest, also im
00:09:12: 1:1 wirklich Individualcoaching?
00:09:15: Oder sind das auch Prozesse, die in der Gruppe funktionieren,
00:09:19: die sogar vielleicht in Trainings funktionieren, obwohl ich ja
00:09:24: tatsächlich auch immer ins Innermanagement erst mal gucken lassen muss, vielleicht
00:09:27: selber erst ein bisschen Klarheit darüber gewinnen muss, wie ich da ticke?
00:09:33: Wie machst du das? Na, das geht sowohl als auch.
00:09:36: Ich sag mal, der Aha-Effekt in der größeren Gruppe ist größer,
00:09:42: weil wir— und da hatte ich auch zuletzt einen neuen Kunden,
00:09:47: da bespiele ich jetzt 48 Führungskräfte in 4 Trainingsreihen,
00:09:52: und wenn natürlich 12 Menschen sich so mal über ihr Inner Management Schritt für
00:09:57: Schritt bewusst, bewusster werden, dann gibt es da schon noch mal eine andere
00:10:01: Reaktion, weil wer ja dann quasi diese, ob es ja Antreiberspiegel ist oder
00:10:06: Konfliktstilspiegel, du hast ja 11 Referenzen,
00:10:11: mit denen du dein eigenes Profil ein Stück weit abgleichst.
00:10:14: Das passiert im 1:1 eher weniger, dafür kommen wir aber sehr viel tiefer im 1:1.
00:10:21: Das heißt, Ja, ich kann durchaus enger, intensiver mit meinem
00:10:27: Coachee dann ins Gespräch gehen.
00:10:28: Das mache ich in der größeren Gruppe eher weniger.
00:10:33: Wie machst denn du das eigentlich selber?
00:10:36: Also wenn ich höre, du hast da 48 Führungskräfte und das
00:10:40: sind 4 Gruppen und das ist nur ein Kunde und du bist ja tatsächlich in diversen
00:10:45: Branchen und Unternehmen unterwegs.
00:10:48: Da könnte ich ja sagen: Na ja, schauen wir mal, was der
00:10:52: vermeintliche, in Anführungsstrichen, der Lehrmeister so selber macht
00:10:55: mit den eigenen Postulaten.
00:10:57: Also kommst du da auch hin und wieder mal ins kurze Gras
00:11:02: oder ist das tatsächlich so lange gelebt und verinnerlicht, dass
00:11:06: du sagen würdest, da bist du nun nicht mehr anfällig für so Abgrenzungsthemen?
00:11:11: Oder vielleicht der nächste Kunde, der auch noch gerne
00:11:15: möchte, dem vielleicht zu sagen: Nee, schaue ich jetzt nicht mehr.
00:11:18: Also wie hältst du das selbst?
00:11:19: Also mir geht es wie allen anderen auch.
00:11:20: Also wahrscheinlich auch wie dir.
00:11:22: Also ich bin da nicht weniger anfällig wie alle anderen.
00:11:26: Ich merke es womöglich nur früher und kann schneller und intensiver gegensteuern.
00:11:33: Also auch bei mir gibt es Spannungsmomente und auch ich muss mit meinen
00:11:39: Ressourcen haushalten.
00:11:41: Aber ich weiß, mich abzugrenzen.
00:11:44: Kleiner Ausflug auch so in die Trainings.
00:11:47: Mein Perfektionsanspruch, der Perfektionsantreiber, der ist Geschichte.
00:11:52: Ich biete heute Flipcharts an, die hätte ich früher nicht als
00:11:54: Schmierpapier benutzt.
00:11:56: Also im Sinne von, ich gucke, dass ich eben meine Ressourcen optimiere.
00:12:01: Und ich merke ja auch in der Begleitung von Menschen, von Unternehmen, der Effekt
00:12:06: ist gerade zu Beginn ja ziemlich groß.
00:12:08: Also die Menschen, wenn wir Modul 1 haben, die sehe ich
00:12:11: dann in 6 bis 8 Wochen wieder in Modul 2.
00:12:13: Da berichten einige dann schon davon, dass sie Dinge verändert haben und sie dann
00:12:18: womöglich jetzt zu Sachen kommen, zu denen sie vorher nicht gekommen sind.
00:12:22: Du arbeitest ja mit allen Ebenen von Führungskräften, und das kann
00:12:26: Mittelstandsunternehmen sein, eigenergeführt oder nicht.
00:12:30: Das kann aber auch ein Konzern sein, und du hast das ja auch von innen erlebt.
00:12:36: Ist das noch so, dass wir den größten Druck
00:12:39: nach wie vor und den größten Bedarf da vielleicht auch
00:12:44: an mehr Orientierung, an mehr Klarheit im mittleren Management haben?
00:12:48: Also werden die nach wie vor im Grunde ein bisschen aufgerieben
00:12:52: zwischen oben und unten?
00:12:54: Oder ist das jetzt an der Spitze mehr, weil vermeintlich da ja auch
00:12:59: die Orientierung herkommen soll?
00:13:01: Wie erlebst du das in der Praxis?
00:13:04: Na, die Frage ist auch ziemlich komplex.
00:13:07: Ich sag mal, auf der operativen Ebene, am Kunden, am Mitarbeiter, ist es
00:13:12: sicher die mittlere Führungsebene.
00:13:13: Die Orientierung braucht nur— mein Credo ist ja, die Orientierung kommt von innen.
00:13:21: Und wenn die sich natürlich im Außen orientieren, und das ist für gewöhnlich
00:13:26: der Fall, erleben sie Desorientierung.
00:13:30: Allein die schiere Frequenz an Reportings, die zum Teil täglich aufploppen.
00:13:37: Und in dem Zuge werden eben die wirklich wichtigen Themen des
00:13:40: Alltags hinten angestellt.
00:13:43: Was das Thema Orientierung angeht, die nächsthöhere Führungsebene bzw.
00:13:46: die Geschäftsführung—
00:13:49: ich löse jetzt mal inhabergeführte Betriebe ein bisschen raus, weil da gibt's
00:13:53: dann den Boss, der am Ende dann für sich auch entscheidet.
00:13:57: Das ist auch nicht immer spannungsfrei, aber da gibt es zumindest einen,
00:14:00: an dem man sich orientieren kann.
00:14:02: Und wenn der so ist, wie er ist, dann kann ich mich darauf einstellen,
00:14:05: und dann ist er durchaus auch berechenbar in seiner Unberechenbarkeit womöglich.
00:14:11: Die konzerngeführten Betriebe oder in Organisationsstrukturen eingebundenen
00:14:18: Unternehmen, da merke ich, dass selbst die oberen Führungskräfte
00:14:24: auch eher reagieren als agieren.
00:14:26: Und das heißt, da wird der Controlling-Wahnsinn potenziert.
00:14:32: Die Menschen haben womöglich gar keine Zeit, sich mit dem Inhalt dieser Zahlen
00:14:35: auseinanderzusetzen, weil am nächsten Tag bereits die neuen Zahlen kommen.
00:14:41: Und da wünsche ich mir Orientierung von innen.
00:14:44: Und jede Führungskraft sollte sich bewusst darüber sein, dass
00:14:49: im besten Falle auch die Leistung passt und der Einsatz passt.
00:14:52: Und dass es immer womöglich Menschen gibt, denen das nicht reicht.
00:14:56: Und das ist so dieser klassische Widerspruch, dem man sich womöglich einmal
00:15:01: wirklich hingibt, den dann auflöst.
00:15:04: Und meine Empfehlung ist immer: Lass es dir an dem Bewusstsein
00:15:08: genügen, deine Pflicht getan zu haben.
00:15:10: Mögen es andere erkennen oder nicht.
00:15:13: Der Spruch ist nicht von mir.
00:15:15: Aber wenn du täglich rennst und rennst und rennst, es gilt eben zu gucken,
00:15:22: für sich Selbstorientierung zu haben.
00:15:24: Wann ist genug genug?
00:15:30: Jetzt könnte man ja vielleicht vermuten,
00:15:38: damit will ich vielleicht mal kurz auf das
00:15:40: Thema Was verändert sich eigentlich durch die künstliche Intelligenz?
00:15:44: Zu sprechen kommen.
00:15:47: Man könnte ja jetzt vermuten, dass es dann vielleicht doch wieder
00:15:52: einfacher wird, weil man sich vielleicht die künstliche Intelligenz auch
00:15:56: zunutze machen kann als ein Werkzeug, um nicht noch mehr Zahlen zu generieren,
00:16:00: sondern um mit diesem Wust und dieser schieren Menge an
00:16:05: Informationen besser klarzukommen.
00:16:06: Denn vermeintlich liegt ja gerade da die Stärke der Maschine, die
00:16:11: Stärke der künstlichen Intelligenz, mit so vielen Informationen
00:16:16: trotzdem eine Struktur zu behalten oder wieder vielleicht filtern
00:16:20: oder verdichten zu können.
00:16:21: Wie erlebst du das und wie guckst du auf diesen Einflussfaktor künstliche
00:16:26: Intelligenz aus der Führungssicht?
00:16:29: Auch da ist es wichtig, noch mal ganz genau hinzuschauen, wohin zielt die Frage?
00:16:34: Das einmal Arbeitsschritte, Prozesse die der Vereinfachung
00:16:38: dienen, in jedem Fall sinnvoll.
00:16:40: Aber das ist ähnlich wie mit dem Smartphone.
00:16:43: Den eigentlichen Zweck eines Smartphones, den haben wir ja auch transformiert.
00:16:47: Und KI wird jetzt womöglich auch transformiert.
00:16:50: Also im Sinne von Führung halte ich da nicht allzu viel davon, weil KI
00:16:54: hilft dir dabei, noch mehr Antworten zu generieren, in einer noch höheren
00:16:58: Geschwindigkeit, in einer womöglichen noch präziseren Qualität, aber es geht
00:17:07: um die Haltung, es geht um Orientierung.
00:17:11: Und dieses Mehr an und Schneller an Informationen, an Aussagen
00:17:16: führt womöglich eben nicht zu einem Mehr an Qualität, an Entscheidung oder aber
00:17:20: auch Menschenführung, Mitarbeiterführung.
00:17:23: Wir reden immer davon, das höchste Gut ist der Mensch, der Mitarbeiter, der
00:17:29: ist nicht immer im Fokus des Handelns und KI ja, wie so vieles anderes auch.
00:17:35: Das Maß, die Menge macht das Gift oder die Dosis.
00:17:45: Ja, wenn du, wenn ich trotzdem würde ich dich
00:17:51: vielleicht nötigen wollen, mal zu sagen, ist also
00:17:54: So von dem, was so deine Intuition vielleicht sagt, auf diese ganze Erfahrung
00:17:59: gestützt, die du in deinen Jahrzehnten gesammelt hast.
00:18:02: So, wir haben also jetzt diese neue Technologie, das ist nicht die erste neue
00:18:06: Technologie, die du erlebst, und Führung gab es eben auch schon vor
00:18:10: Tausenden von Jahren, wenn die Menschen sich organisiert haben.
00:18:14: Also was glaubst du, wird es eher eine Hilfe oder wird es eher
00:18:19: eine Beschleunigung des Karussells und damit werden die Fliehkräfte Größer.
00:18:24: Was ist es dann am Ende? Segen oder Fluch?
00:18:27: Auch hier sowohl als auch.
00:18:28: Das ist, du musst dir das so vorstellen, es ist letztendlich ein zusätzliches
00:18:32: Werkzeug, was ich in meinem Werkzeugkoffer habe.
00:18:34: Also KI, wir haben ja wahrscheinlich unter den Zuhörern Menschen,
00:18:37: die sich deutlich und viel, viel besser auskennen als ich zumindest mit dem Thema.
00:18:41: Aber du kannst ja mal verschiedene KIs befragen.
00:18:45: Speise eine Fragestellung in 3 bis 4 verschiedene KI-Plattformen ein.
00:18:50: Du bekommst mit hoher Wahrscheinlichkeit ja eine Schnittmenge, aber keine
00:18:54: komplett identischen Antworten.
00:18:56: Und wenn ich jetzt 4 Manager frage und 4 Manager mit unterschiedlichen
00:19:01: Zeithorizonten oder Erfahrungswerten befrage, dann werden sie mir auch
00:19:06: Empfehlungen aussprechen oder Handlungen mit auf den Weg geben.
00:19:09: Dort wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Schnittmenge groß sein,
00:19:14: aber jeder Einzelne wird eben die Akzente setzen, die er im Rahmen seiner Erfahrung
00:19:18: oder seines Seins gesammelt hat.
00:19:22: Und auch da gibt's unterschiedliche Qualitäten bei diesen 4 Antworten.
00:19:26: Also KI, ja, Fluch und Segen.
00:19:28: Das ist wie mit, wie mit dem Smartphone.
00:19:31: Du weißt, ich bin ohne WhatsApp, bin auch nicht bei Facebook.
00:19:35: Das sind Dinge, da halte ich mich bewusst raus und fern.
00:19:38: Das Ganze würde mich auffressen.
00:19:40: Oder mittlerweile ja TikTok und Instagram.
00:19:45: Ja, ich bin jemand, der da an der Stelle vielleicht eher ein bisschen
00:19:49: verhaltener das beobachtet.
00:19:52: Wie sieht denn der Weg aus?
00:19:55: Oder gibt es so was wie eine Empfehlung, wie eine Richtung, wie ein Prozess, wie
00:20:00: eine Orientierung, die du geben würdest, damit es
00:20:07: mir in der Zukunft vielleicht am Abend, am Ende des Tages, damit
00:20:14: wirklich besser geht?
00:20:15: Oder ich ich einen Weg gefunden habe, damit besser umzugehen.
00:20:19: Also wie sieht dann Führung, gelingende Führung aus bzw.
00:20:24: der Weg dahin? Was würdest du sagen?
00:20:28: Naja, ich sehe dich schon schmunzeln.
00:20:33: Den gibt es eben nicht oder die Lösung gibt es eben halt nicht.
00:20:37: Also weil jedes System, in dem sich der Einzelne bewegt, also die Führungskraft,
00:20:42: ist individuell auch zu bewerten.
00:20:44: Also wenn es einen Weg gibt, dann empfehle ich dringend: Ich muss
00:20:49: mich mit mir selbst beschäftigen.
00:20:52: Und ich muss meine persönliche Haltung und Einstellung zum Thema Führung kennen.
00:20:56: Ich muss die Menschen, mit denen ich gemeinsam arbeite, kennen.
00:21:00: Ich muss mich mit ihnen, muss mich in sie hineinfühlen können.
00:21:05: Weil Führung findet ja im seltensten Fall isoliert statt.
00:21:08: Also, und ich spreche immer davon, ich mache aus
00:21:12: Bauchschmerzen Kopfschmerzen in meiner Arbeit.
00:21:14: Also, dass Menschen eben womöglich danach nicht besser
00:21:18: arbeiten, aber womöglich bewusster, dass sie eben wissen, warum das eine oder
00:21:21: andere vielleicht nicht klappt oder nicht geklappt hat,
00:21:24: und es dann womöglich bewusst auch versuchen, es anders aufzusetzen.
00:21:29: Also gute Führung, ja, wo fängt die an, wo hört die auf?
00:21:33: Wir hatten zuletzt das Bild eines Reiseleiters hat mir gut gefallen.
00:21:37: Also was ist Führung?
00:21:39: Und da gab es eine Gruppe, die da sehr kreativ war.
00:21:43: Die haben da das Ganze auch grafisch gut dargestellt, visuell.
00:21:48: Ja, ein Reiseleiter, eine gute Führungskraft ist wie Reiseleitung.
00:21:53: Und das kannst du im besten Fall auch an jedem
00:21:56: Unternehmen und in jedem Unternehmen dieser Welt unter Beweis stellen.
00:21:59: Und gute Führungskräfte können auch morgen oder übermorgen in dem oder in
00:22:03: dem Unternehmen wirksam sein.
00:22:06: Natürlich wird es brauchen, Zeit brauchen, bis man dann Ergebnisse sieht.
00:22:10: Aber es geht ja darum, welche Haltung und Einstellung habe ich dazu?
00:22:14: Und das Ganze mit oder ohne KI, das Ganze mit oder ohne Homeoffice, das Ganze
00:22:19: mit oder ohne agilen Arbeitsformen.
00:22:22: Wir kriegen ja alle 3 Monate irgendeine neue Modewelle, die uns erreicht.
00:22:27: Ich glaube, eine Führungskraft muss für sich selbst Klarheit haben.
00:22:31: Und Klarheit ist ja mein Credo.
00:22:33: Und
00:22:43: vor allen Dingen noch, vielleicht dennoch,
00:22:45: also was es heute braucht, ist Orientierung zu geben, wenn
00:22:48: man keine Orientierung hat.
00:22:51: Und Führungskräfte wissen heute für gewöhnlich auch nicht so
00:22:55: ganz genau, was morgen oder übermorgen passiert.
00:22:57: Weil die nächsthöheren Führungsebenen genauso wenig Orientierung nicht nur
00:23:01: geben, sondern womöglich auch keine haben.
00:23:04: Weil wir uns heute sehr stark immer wieder an Dritten und
00:23:09: die Dritten von den Dritten orientieren.
00:23:11: Stakeholder, Shareholder Value, einmal alles.
00:23:13: Die Dinge hängen heute so massiv beieinander.
00:23:16: Und da muss ich mich ein Stück entkoppeln.
00:23:18: Ich muss gucken, dass ich in meinem System eine gewisse Autonomie und
00:23:22: Handlungsfähigkeit bewahre oder entwickle.
00:23:25: Und dann gehen wir abends nach Hause, sind zufrieden und kommen am
00:23:29: nächsten Morgen wieder.
00:23:35: Orientierung geben wollen oder müssen, wenn man selber keine
00:23:42: hat oder keine bekommen hat, das klingt nach einer ziemlichen
00:23:47: Challenge, aber wahrscheinlich beschreibt es genau Das, was wir in der
00:23:50: Gegenwart ganz häufig fühlen.
00:23:53: Das klingt nach einer echten Kunstform, würde ich sagen.
00:23:58: Naja, das ist womöglich auch Haltung.
00:24:01: Also mir geht es weniger um die, die dann so vorgeben, als wüssten sie, was kommt.
00:24:05: Meine Erfahrung sowohl in der Rolle als auch jetzt in der Rolle als Führungskraft,
00:24:09: in der Rolle meiner Beratung oder Coaching.
00:24:13: Es geht nicht darum, dass ich Sicherheit vermittle oder Wissen vermittle.
00:24:18: Sondern Orientierung gebe.
00:24:20: Dass Menschen eben ein gutes Gefühl haben, dass wir eben mit dem Maß an Unsicherheit
00:24:24: oder an fehlendem Wissen trotzdem uns aufeinander verlassen und dass
00:24:29: wir uns gegenseitig auch stützen.
00:24:32: Und das ist das mit Orientierung geben gemeint.
00:24:35: Und wenn du immer nur am Suchen bist oder beim Suchen nach außen,
00:24:41: hast du weniger Energie für das Innen und für deine Menschen.
00:24:44: Also das ist das Thema.
00:24:46: Das wird die große Herausforderung, auch gesellschaftlich.
00:24:49: Keiner von uns weiß, was kommt.
00:24:51: Wir kriegen ja jeden Tag mehrfach Nachrichten, die
00:24:55: eben genau darauf einzahlen, Ängste zu schüren, Desorientierung zu schüren.
00:25:00: Sicherheiten war gestern.
00:25:03: Also müssen wir uns in dem Rahmen, in dem wir uns bewegen, orientieren.
00:25:10: Und da gibt es wiederum Menschen, an denen ich mich orientieren kann.
00:25:14: Das muss nicht nur der Vorgesetzte sein, das kann auch der
00:25:16: Kollege sein, das kann womöglich auch der Inhaber eines Unternehmens sein,
00:25:21: wo du ein gutes Gefühl hast, dass der nicht maximal ergebnisorientiert
00:25:24: entscheidet, sondern dass es um ein Familienunternehmen geht, was auch
00:25:31: vor 100 Jahren existierte und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in
00:25:33: 100 weiterhin existiert.
00:25:35: Vielleicht nur in einem anderen Geschäftsmodell, Modell.
00:25:43: Dann würde ich abschließend vielleicht zu zwei Fragen noch mal ansetzen.
00:25:47: Das eine geht mir gerade so durch den Kopf, weil das, finde ich, klang gerade
00:25:52: schon an dem, was du gesagt hast, nämlich wir erleben diverseste Krisen
00:25:58: und das schon seit langer Zeit.
00:26:00: Und wenn man gerade mal reinschaut in das, was zumindest medial
00:26:04: immer so durchkommt, dann heißt es ja ganz oft, die Stimmung in der
00:26:08: Wirtschaft ist schlecht.
00:26:10: Wie erlebst du das?
00:26:11: Du bist ja genau am Puls, ja, in unterschiedlichsten Unternehmen.
00:26:17: Wie ist denn die Stimmung in der Wirtschaft?
00:26:20: Wie ist denn die Stimmung unter den Führungskräften gerade?
00:26:25: Wir müssen einmal unterscheiden zwischen dem Bild, was in den Medien vermittelt
00:26:29: wird, also was so medial verbreitet wird.
00:26:32: Da wird ein sehr kritisches Bild vermittelt.
00:26:36: Wenn ich in den Unternehmen bin, sind die Bilder nicht ganz so kritisch.
00:26:41: Ich meine, der Markt ist durchaus angespannt,
00:26:45: alle sind ein Stück weit vorsichtig mit ihren Ressourcen, mit Neuanschaffungen,
00:26:50: aber die Stimmung in dem jeweiligen Unternehmen ist durchaus gut.
00:26:54: Also auch das nicht allgemein, bitte, aber ist gut, weil man
00:26:58: gemeinsam versucht, die Situation zu lösen, weil man kleine Erfolge
00:27:01: hat, weil man sieht, es geht voran.
00:27:04: Also das ist mir immer alles ein bisschen zu platt.
00:27:06: Die Stimmung ist schlecht.
00:27:07: Die Rahmenbedingungen, die die Politik gerade eben nicht schafft,
00:27:12: die könnten natürlich deutlich besser werden oder sein, und da hoffentlich
00:27:16: passiert da auch demnächst was.
00:27:18: Oder jetzt Kraftstoffpreise etc., dass das nicht auf die Stimmung
00:27:22: einzahlt, das ist klar.
00:27:24: Aber das ist wie schlechtes Wetter.
00:27:25: Eine Woche Regen führt eben auch nicht zu Leichtigkeit.
00:27:30: Aber wir wissen, es wird besser.
00:27:31: Nach der Woche wird irgendwann wieder die Sonne scheinen.
00:27:33: Und ja, also von daher: Stopptaste drücken, kurz mal innehalten.
00:27:38: Was ist das Ziel dieser Information?
00:27:41: Das empfehle ich grundsätzlich auch mal so zu prüfen, so diese Vorgehensweise.
00:27:46: Und wenn ich zu dem Ergebnis komme, dass diese Information dazu dient, die Menschen
00:27:49: wieder eher weiter in den Keller reinzurammeln, dann
00:27:55: sollte ich mich mit dieser Information womöglich nicht beschäftigen.
00:27:58: Ich war vorletzte Woche bei eben diesem neuen Kunden und die ersten
00:28:02: zwei Trainingsmodule und der Klassiker, so habe ich es ja auch
00:28:06: in meinem Podcast sehr ausführlich beschrieben, am Anfang ist durchaus eher
00:28:09: Skepsis bis Widerstand, nicht immer offener Widerstand, aber
00:28:12: Widerstand oder sehr hohe Skepsis vorhanden.
00:28:17: Und ich weiß, warum so hohe Skepsis von Seiten der Teilnehmenden da ist.
00:28:21: Das hat ja nichts mit Carsten Alex zu tun, sondern es gibt wieder eine nächste, eine
00:28:26: neue Qualifizierungsmaßnahme, die dazu führt, dass Wissen
00:28:30: angesammelt oder aufgehäuft wird.
00:28:33: Die Menschen brauchen nicht mehr an Wissen.
00:28:36: Das kannst du alles nachlesen.
00:28:38: Das kannst du auch alles KI erledigen lassen.
00:28:42: Die Menschen brauchen mehr Raum zur Reflexion.
00:28:44: Die Menschen brauchen mehr Zeit für den Austausch,
00:28:48: um einander besser verstehen zu können.
00:28:52: Und wenn die Teilnehmenden dann irgendwann erkannt haben,
00:28:56: dass Qualifikation, Qualifizierung ein Teil des Themas ist,
00:29:01: aber nicht das bestimmende Thema, dann kippt die Veranstaltung.
00:29:07: Auch da, ohne jetzt groß hier auf den Putz zu hauen, das hat jetzt in
00:29:11: den ersten zwei Gruppen wirklich gut funktioniert.
00:29:14: Das Feedback war wirklich toll am Ende des Tages, zwei jeweils.
00:29:19: Und ja, die meisten oder so gut wie alle haben
00:29:23: für sich auch gesagt, sie nehmen Dinge mit.
00:29:25: Und zwar Nichtwissen.
00:29:27: Hier geht es um Haltung, um Perspektivenwechsel.
00:29:34: Und womöglich mal innehalten, wie du es gerade gesagt, beschrieben hast.
00:29:38: Nicht immer sofort reagieren, antworten, einfach mal auch Fragen aushalten
00:29:45: und stehen lassen.
00:29:47: Und das ist ja nicht so einfach, eine Frage mal auszuhalten.
00:29:52: Aber das Aushalten und Haltung, da merkt man schon,
00:29:57: die beiden Dinge haben ja was miteinander zu tun.
00:29:59: Ja, genau.
00:30:00: Also von daher, es geht wirklich darum, Raum zu schaffen.
00:30:04: Und auch das vielleicht noch, ich könnte jetzt stundenlang wieder erzählen.
00:30:09: Das ist ja auch nicht so, das ist ja nicht so, dass die Menschen das nicht wissen.
00:30:14: Also im tiefen Inneren wissen die das ja alles schon,
00:30:17: aber sie kommen nicht mehr ran an die Information, weil das System, in dem sie
00:30:21: sich bewegen, hat das so nicht vorgesehen.
00:30:26: Also sprich, zu spüren, dass es zu viel ist, zu spüren,
00:30:31: dass ich den Anforderungen aktuell nicht oder nicht mehr gerecht werde.
00:30:37: Wir haben es verlernt, uns das zu erlauben auszusprechen,
00:30:42: um dann gemeinsam mit unserem System, ob es jetzt das Unternehmen ist,
00:30:46: der Vorgesetzte oder die Kollegen, gemeinsam Lösung zu finden.
00:30:51: Also guckt jeder für sich, dass er irgendwas löst.
00:30:55: Und das gelingt eben nicht immer, ne.
00:31:00: Weil man nicht alternative Ansätze diskutiert.
00:31:04: Mit wem sollte man das tun im Alltag?
00:31:06: Wir haben zu funktionieren, da bleibt wenig Zeit zum Diskutieren.
00:31:20: Wer ist denn in so einem System eigentlich derjenige,
00:31:25: der dich dann reinholt in so eine Organisation?
00:31:30: Also sind das die, die du dann in den Trainings auch hast,
00:31:34: oder ist es die nächsthöhere Ebene?
00:31:39: Also wer sieht diesen Bedarf?
00:31:42: Und holt dich rein.
00:31:44: Auch das ist durchaus unterschiedlich.
00:31:47: Also es gibt sowohl den Auftraggeber, den Inhaber eines Unternehmens,
00:31:51: der für sich entscheidet, er möchte, dass all seine Führungskräfte jetzt
00:31:55: ja mal gleichermaßen sensibilisiert und qualifiziert werden,
00:32:00: unabhängig von Vorwissen.
00:32:02: Es gibt den Coachee, der den Wunsch von sich aus äußert, der womöglich
00:32:05: eine Weiterempfehlung bekommen hat.
00:32:07: Kleines Beispiel: Ich hatte vor 14 Tagen ein 1:1-Coaching mit einer
00:32:13: jungen Führungskraft.
00:32:15: Dessen Vorgesetzter wiederum war mal vor 6 Jahren bei mir,
00:32:20: auch zu einem 1:1-Coaching, was wiederum sein damaliger Vorgesetzter
00:32:24: ihm empfohlen hat.
00:32:25: Und was mich natürlich sehr freut, dass offensichtlich dieser eine Tag, und das
00:32:30: war nicht mehr, etwas bei ihm ausgelöst hat, woran er sich
00:32:35: nach all den Jahren noch weiterhin positiv erinnert und das jetzt seinen Mitarbeitern
00:32:39: auch zur Verfügung stellen wollte, möchte und es dann auch getan hat.
00:32:43: Also es ist sowohl als auch.
00:32:46: Die wenigsten handeln antizyklisch.
00:32:51: Da haben wir im Moment womöglich auch nicht die Ressourcen dazu, also proaktiv
00:32:56: in die Qualifizierung, in die Sensibilisierung, in die
00:32:57: Weiterentwicklung zu investieren.
00:33:00: Heute aktuell wird es eher gemacht, wenn man das Gefühl hat, da braucht jetzt
00:33:04: jemand dringend auch einen Bypass oder eine Unterstützung.
00:33:09: Übrigens, Qualifizierung findet ja auch kaum noch statt.
00:33:12: Also Menschen, junge Menschen, nicht nur biologisch, sondern womöglich
00:33:16: auch in ihrer Führungsrolle, werden reingeschmissen ins Wasser,
00:33:20: sage ich mal ganz vorsichtig.
00:33:22: Und dann hast du maximal 10 Stunden, um zu funktionieren.
00:33:25: Zu meiner Zeit gab es früher noch 100 Tage, die ersten 100 Tage.
00:33:29: Und heute werden immer mehr Führungskräfte unvorbereitet in
00:33:34: Führungsaufgaben geschickt.
00:33:36: Dann wird im Idealfall irgendwie eine Führung parallel stattfinden, eine
00:33:39: Qualifizierungsmaßnahme zur Führung, oder eben Jahre später.
00:33:44: Und dann ist es häufig eben zu spät im Sinne von:
00:33:47: Die Fehler hätte ich mir vorher alle, hätte ich alle vermeiden können.
00:33:52: Also wir bereiten auch die Menschen nicht mehr auf Führung vor.
00:33:55: Auch das nicht pauschal für alle, aber mindestens 7 von 10 Unternehmen
00:33:59: bereiten ihre Führungskräfte aktuell nicht auf die Führung vor, die sie erwartet.
00:34:06: Ja, und wir wundern uns, warum es nicht funktioniert.
00:34:08: Also Führung muss man ja lernen.
00:34:10: Also ich habe auch viele Jahre gebraucht und hatte das Glück, dass
00:34:14: ich Führungskräfte hatte, die sich um mich gekümmert haben, kümmern konnten.
00:34:17: Achtung, kümmern konnten.
00:34:19: Das ist ein Mega-Job, wenn du dich dann noch 2 Stunden die Woche mit jemandem
00:34:22: mal ausführlich beschäftigen willst.
00:34:24: Damit er so schnell wie möglich in Führung kommt.
00:34:27: Ja, das ist, glaube ich, das, was mir gerade so durch den Kopf geht.
00:34:30: Also das sind ja Tendenzen, die sind nicht ganz neu.
00:34:33: Aber das, was sich immer verstärkt und verschärft unter diesem Engpass Zeit für
00:34:40: sich und für andere, ist eben dieser Austausch, ist die
00:34:44: Reflexion, sind all diese Dinge, die ja nachher dann auf die innere
00:34:50: Haltung, den inneren Entwicklungsprozess und über dieses Wachstum am Ende ja auch
00:34:57: wieder zu Wirksamkeit und Effektivität für die Organisation führen.
00:35:02: Also wir kürzen im Grunde genau die Ressource weg, die es eigentlich
00:35:07: braucht, damit sich Führung und Führungskompetenz entwickeln können.
00:35:11: Guter Punkt, vielleicht auch was fürs nächste Mal, das Thema Wirksamkeit,
00:35:14: wirksam führen, das ist ja genau das Thema.
00:35:17: Wir finden ja nicht mehr Dass wir keine Führungskräfte finden?
00:35:20: Wir finden ja auch nicht mal mehr Mitarbeiter, also Fachpersonal.
00:35:25: Das heißt, die neuen Ungelernten lernen die neuen an.
00:35:29: Das heißt, wir potenzieren das Problem.
00:35:32: Und dann werden wir halt nicht 3 Vorstellungsgespräche die Woche führen,
00:35:36: sondern wir führen 8, weil wir keine finden.
00:35:40: Also da wird eher die Frequenz erhöht.
00:35:42: Geht noch mal in das Thema, was wir vorhin hatten.
00:35:44: Frequenz, Geschwindigkeit wird erhöht, anstatt wir vielleicht mal einfach kurz
00:35:49: den Stecker ziehen, kurz mal drüber nachdenken,
00:35:53: was läuft hier gerade, und womöglich noch mal neu ausrichten.
00:35:58: Ich habe jetzt auch nicht die Lösung, aber es scheint so, dass die Lösung von
00:36:05: mehr von dem Gleichen, die trägt nicht.
00:36:11: Ja, und jemand, der jetzt, sage ich mal, mit dir arbeitet,
00:36:19: der muss ja mindestens so weit gehen, dass er mal zulässt, ob jetzt aus der Not
00:36:25: heraus oder mit Weitsicht, sei mal dahingestellt, aber er muss ja zulassen,
00:36:30: dass zum Beispiel Führungskräfte sich mal einen kompletten Tag oder sogar
00:36:35: zwei Tage mit dir mit sich und Führung beschäftigen dürfen.
00:36:40: Und schon da liegt ja auch eine Riesenherausforderung, weil vermeintlich,
00:36:45: also ich habe keine Zeit, mich mit der Lösung des Problems zu befassen, weil ich
00:36:49: die ganze Zeit operativ mit Feuerlöschen und damit vermeintlich nur am
00:36:55: Rumdoktern der Symptome beschäftigt bin.
00:36:58: Also das klingt ja tatsächlich so und ist ja vielleicht dann
00:37:02: genau der erste Schritt.
00:37:04: Zumindest mal kurzfristig, ich will gar nicht sagen, die Pausentaste zu drücken,
00:37:09: eine Pause ist es ja nicht, sondern mal diesen Perspektivwechsel zuzulassen
00:37:14: und vielleicht mal an dem zu arbeiten, was ja am Ende dann wirklich
00:37:20: Wirksamkeit bringt.
00:37:21: Auch ein guter Punkt.
00:37:23: Da erlebe ich, dass die Inhaber oder die Geschäftsführer,
00:37:27: die haben sehr wohl erkannt, dass es das braucht.
00:37:31: Und dann wird das Angebot gemacht.
00:37:33: Da das Angebot nicht immer zwingend verpflichtend ist, finden natürlich
00:37:38: jede Menge Führungskräfte genug Argumente, warum es gerade jetzt nicht
00:37:42: der richtige Zeitpunkt ist.
00:37:44: Das heißt, das ist auch der Punkt vorhin, natürlich hat auch keiner Zeit.
00:37:48: Die haben nicht nur keine Lust, sondern die haben auch keine Zeit, weil das
00:37:51: operative Geschäft ist in der Tat ja auch da.
00:37:53: Also langweilen wird sich keiner.
00:37:55: Die Frage ist nur, ob sie sich mit den richtigen Dingen beschäftigen.
00:37:59: Und auch da klare Empfehlung: Verpflichtend
00:38:05: ohne Tagesgeschäft sich auch wirklich mal rauszunehmen, um dann auch eine Chance
00:38:11: zu haben, dass der Kopf frei wird.
00:38:12: Und der wird frühestens Tag 1 nach der Mittagspause frei, eher,
00:38:18: weil vorher ist noch alles belegt mit dem Arbeitsspeicher der operativen Themen.
00:38:25: Genau, also vielleicht so auch die Botschaft von heute,
00:38:30: dass sich der Zuhörer, die Zuhörerinnen mal über ihre Haltung Gedanken machen
00:38:37: zum Thema: Welche Führungskraft bin ich?
00:38:42: Habe ich eine Haltung?
00:38:43: Wenn ja, wie würde ich die womöglich ausformulieren?
00:38:49: Führt mich natürlich zu der Versuchung, dich mal zu fragen:
00:38:53: Wenn du deine Haltung beschreiben müsstest in so einer Kompaktform,
00:38:58: wie würdest du das tun?
00:39:01: Wie klänge das für dich? Gute Frage.
00:39:04: Jetzt habe ich mir ein kleines Eigentor geschossen.
00:39:07: Nein, Quatsch.
00:39:09: Na ja, gibt auch eine schöne Referenz von einem meiner Coachees und
00:39:13: Das Bild wird für mich immer klarer.
00:39:16: Meine Haltung ist: Ich bin der Kompass.
00:39:20: Ich gebe Menschen Orientierung und die Orientierung ist im Wesentlichen
00:39:26: auf die Menschen ausgerichtet.
00:39:28: Also ich weiß schon, dass wir das hier alles nicht aus Jux und Dollerei machen,
00:39:31: dass es da auch einen Auftrag gibt, der wirtschaftlicher Natur ist.
00:39:35: Aber meine Haltung ist klar, offen, ehrlich, direkt.
00:39:39: Und in Resonanz treten mit Menschen.
00:39:42: Und das ist eben nicht nur Streichelzoo, sondern auch Reibung.
00:39:47: Aber immer offen, immer ehrlich, sauber spielen.
00:39:51: Und das habe ich auch als Führungskraft versucht.
00:39:56: Es ist mir wahrscheinlich nicht immer gelungen.
00:39:59: Aber wer geliebt werden will, darf diesen Weg natürlich nicht wählen.
00:40:06: Weil du eben dann eben nicht nur gute Gefühle auslöst in
00:40:09: deinem Umfeld, aber womöglich eine Sicherheit
00:40:12: entwickelst, die den Menschen das Gefühl gibt, sie
00:40:15: haben die Orientierung, wo es hingeht.
00:40:18: Carsten, dann danke ich dir für dieses Gespräch.
00:40:23: Danke für deine Zeit.
00:40:25: Und ja, ich glaube, an kommenden Impulsen und an
00:40:30: Anknüpfungspunkten für zukünftige Gespräche mangelt es uns nicht.
00:40:33: Darauf freue ich mich ebenfalls.
00:40:35: Wir werden das ja einmal im Monat hat, hier miteinander machen,
00:40:39: um es eben auch zu teilen.
00:40:41: Und von meiner Seite aus vielen Dank.
00:40:43: Und ja, gerne.
00:40:47: Ja, ich bedanke mich auch bei dir heute.
00:40:49: Auftakt, Start eben dieses Formats.
00:40:53: Und vielleicht Impuls auch an dich.
00:40:56: Vielleicht haben wir irgendwo auch eine Chance, dass
00:40:59: sich Zuhörende vielleicht mal auch mit einer Frage oder einem Thema an
00:41:04: an dich, an uns wenden, dem wir uns ja vielleicht dann auch mal widmen können.
00:41:11: Die Idee ist, so wie du gerade sagtest, auch da die Dosis sorgt für Interesse.
00:41:19: Weniger ist manchmal mehr.
00:41:20: Also einmal im Monat haben wir das jetzt hier vor und ich bin
00:41:25: gespannt auf die Resonanz, aufs Feedback.
00:41:27: Danke dir, Ingo.
00:41:29: Vielen Dank auch für eure Zeit, fürs Zuhören.
00:41:31: Und lasst von euch hören. Ciao Ciao.
00:41:33: Ciao, ja, genau. Tschüss.
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